Grübelfalle


Abschied von bisherigem Denken: Raus aus der Grübelfalle

Was Gedankenkreise mit uns machen und warum es sich lohnt, diese anzuhalten.

Warum ist es mir nicht gelungen, das Verkaufsgespräch zu einem positiven Abschluss zu bringen?

 

„Klar, der Kunde konnte mich noch nie leiden, schoss es mir sofort durch den Kopf.“

 

Weitere belastende Gedanken folgten: Nichts bekomme ich richtig hin. Warum kann ich nicht locker mit dem Kunden umgehen? Ich bin viel zu verbissen.


Weitere Beispiele: Warum werden meine Argumente überhört? Wenn mein/e Partner/in mich lieben würde, dann würde er/sie nicht immer… Ich fühle mich nicht respektiert, bin traurig und enttäuscht, weil…


Und schon sind Sie in der Grübelfalle. Die Gedanken kreisen um sich selbst und lassen sich einfach nicht unterdrücken oder abstellen. Schwierigkeiten im Kopf durchzuspielen ist etwas völlig Normales. Problematisch können Gedanken werden, wenn sich uns Gedankenkreise aufdrängen, die uns einfach nicht mehr loslassen. Ein immer und immer wieder kreisender Rhythmus von bedrückenden Gedanken, die abwertend auf unser „ Selbst“ einwirken.


Grübeln bezieht sich meist auf Vergangenes und ist zudem abstrakter Natur – auch wenn es sich auf ein konkretes Ereignis bezieht, während problemlösendes Denken eher auf die Zukunft zielt, handlungsorientiert und meist konkret ist.


Grübler fragen oft: „ Warum?“ Dagegen stellen Menschen, die eine Aufgabe oder ein Problem lösen wollen, eher die Frage nach dem „Wie?“  


Byron Katie hat ein wie ich finde, außerordentlich einfaches System der Selbsterkenntnis geformt, das aus vier Fragen besteht.

 

Mit diesen Fragen hinterfragst und überprüfst Du deine Denkmuster auf ihren tatsächlichen Wahrheitsgehalt. Diese Methode hilft unsere Eigen-Außenwahrnehmung positiv zu verändern. Negativmuster oder Ärgernisse beginnen zu bröckeln und lösen sich auf. Mit diesen vier Fragen und Deinen persönlichen Antworten, brennen sie alles, was für Dich nicht  „wahr“ ist, weg, bis zu der Wirklichkeit, die immer schon gewartet hat.


Und nun stelle Dir die Frage:  „Wer wäre ich ohne diese Grübelfalle?“

Die Wirklichkeit ist stets freundlicher als die Geschichten (Gedanken), die wir über sie erzählen (denken).

Ich möchte Dich einladen, Deine Geschichten und Gedanken darauf zu überprüfen, ob sie wirklich wahr sind. Wir machen uns auf die Suche nach dem Gedanken hinter dem Leiden.

 

Fallbeispiel:

 

Du denkst einen Gedanken, der im Widerstreit mit der Wirklichkeit steht (z.B. sie/er sollte pünktlich sein, ist es aber nicht). Danach empfindest Du ein belastendes Gefühl (z.B. ich bin ihr/ihm nicht wichtig) und reagierst auf dieses Gefühl (z.B. traurig oder gar wütend). Nun stehst Du so richtig unter Druck und möchtest die Person verändern (erziehen).

 

Wirst Du von einem übermächtigen Gefühl mitgerissen, ist es hilfreich dieses belastende Gefühl symbolisch wie einen Wecker wahrzunehmen, der Dir sagt: „He, du hast dich verirrt!“

 

Diese Schmerzen oder Ängste sind Geschenke, die Dir sagen: „Schau auf Dein Denken!“ Du lebst gerade eine ungeprüfte Geschichte, die nicht vielleicht gar nicht wahr ist und Leiden verursacht. Bevor der Gedanke (sie/er sollte pünktlich sein) kam, ging es mir gut - ich habe mich sogar gefreut. Mit dem Gedanken (sie sollte pünktlich sein) und dem Gefühl (ich bin ihr nicht wichtig) habe ich gelitten.

 

Mit der gezielten Anwendung der Überprüfung des Gedanken wird einem das dahinterstehende Gefühl bewusst. Die Vier-Fragen-Methode, die sich anschließt, hinterfragt das Gefühl „ich bin ihr nicht wichtig“ zuerst auf ihren Wahrheitsgehalt. Ich möchte Dich nun bitten, stelle Dir die erste Frage:

 

Ist es wirklich wahr, dass ich ihr/ihm nicht wichtig bin? Kann ich absolut sicher sein, dass das wahr ist? Sei offen und bewerte Deine Gedanken nicht und lasse es zu, wenn Deine Antwort anders ausfällt als Du zunächst angenommen hast. Vielleicht eröffnet sich eine ganz neue, bisher verdeckte Wahrheit.

 

Wenn sich jetzt schon eine Verwirrung einstellt, weil Du spürst, dass Du diese Frage gar nicht mit Gewissheit bejahen kannst, wird Dir hier bereits klar, welche Macht eine Lüge haben kann. Egal ob Du dich für wahr oder nicht wahr entscheidest (und es ist okay dieses Gefühl für zutreffend zu halten), stelle Dir nun die zweite Frage:

 

Wie reagierst Du auf diesen Gedanken/Gefühl (ich bin ihr/ihm nicht wichtig)? Hier beginnst Du, dir Ursache und Wirkung bewusst zu machen. Dies ist meist mit starken Emotionen verbunden.

 

Stelle Dir nun die dritte Frage:

 

Kannst Du einen Grund erkennen, diesen Gedanken aufzugeben? Angenommen Du antwortest mit Ja, denn bevor Du diesen Gedanken hattest warst Du  ausgeglichen, Du empfandest sogar Vorfreude. Es geht hier nicht darum den Gedanken aufzugeben, sondern es geht um Wahrnehmung - Erkennung von Wahrheit. Sobald Du die Wahrheit erkennst, lässt der Gedanke Dich los. Die folgende Frage stellst Du nur, wenn der Gedanke Dich noch nicht losgelassen hat. Kanst Du einen Grund finden, der Dir keinen Stress macht, an diesen Gedanken festzuhalten? Sollten Du eine Antwort finden, überprüfe diesen Gedanken, ob er Dir wirklich inneren Frieden und ein effizientes, liebevolles Handeln ermöglicht.

 

Stellen Sie sich zuletzt die vierte Frage:

 

Wer bist Du ohne diesen Gedanken? Stelle Dir vor, wie Du der Person gegenüberstehst, die gerade das tut (oder nicht tut), was sie deiner Meinung nach nicht tun (oder tun) sollte. Hier offenbart sich eine neue Identität!

 

Sicherlich bist Du nun motiviert, diese Fragen auf ein persönliches Problem anzuwenden. Dies kannst Du auch gerne einmal ausprobieren. Jedoch betrachte es zunächst spielerisch und bearbeite ein eher kleines Anliegen, vielleicht mit einem/er guten Freund/in. Jedoch möchte ich darauf hinweisen, dass dies nur eine Kurzfassung dieser Methode ist. Während eines Coachings können individuelle Fragenstellungen umgestellt, oder Zwischenfragen, die Gedankenhilfen darstellen, eingefügt werden. Ebenso neigen wir dazu, Fragen so zu beantworten, wie sie dem eigenen Denkmuster (Glaubenssätze) entsprechen, dies ist nicht effektiv.

 

Nun folgt noch der wichtige Teil der Umkehrung.

 

Hier greifen wir auf, was Du über den anderen Menschen gedacht hast und überprüfst, ob es genauso wahr oder sogar wahrer ist, wenn Du es auf Dich selbst beziehst/überträgst.

 

In Verbindung mit der Überprüfung führt die Umkehrung zu einer Selbsterkenntnis. Solange Du glaubst, jemand oder etwas anderes sei für Dein Problem/Leiden verantwortlich, verharrst Du in einer Art Opferrolle. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Umkehrung. Um bei unserem Beispiel zu bleiben, könnten diese folgendermaßen lauten:

  • Ich sollte sie wichtig nehmen. Oder als Frage formuliert: Nehme ich sie wichtig?
  • Ich bin mir wichtig. Ich habe nicht die Erwartung an andere Menschen mich wichtig zu nehmen.
  • Ich sollte mich nicht so wichtig nehmen.

Ohne die Auseinandersetzung mit den vier Fragen der Überprüfung, könntest Du die Umkehrung vielleicht nicht so ohne weiteres als das annehmen, was sie ist, nämlich als eine Entdeckung, dass vieles, was Du im Außen oder im Anderen sehen, in Wirklichkeit eine Projektion Deiner eigenen Gedanken ist - ein Spiegelbild Deines eigenen Denkens.

 

Und bitte nimm die neuen Erkenntnisse mit einer gehörigen Portion Humor. Wie sagt der Kölner „Et bliev nix wie et wor“. Sei offen für Neues. Wenn Du diese Methode einige Male mit fachkundiger Hilfe praktiziert und verinnerlicht hast, entwickelt sich eine Art Eigenleben in Deinem Inneren. Du kannst aufhören „recht“ zu haben und ein Gefühl von Freiheit stellt sich ein.

 

Gebet für Partnerschafts- und Familienprobleme von Byron Katie aus „Lieben was ist.“

 

„Gott bewahre mich vor dem Verlangen nach Liebe, Bestätigung und Anerkennung. Amen“