LOSLASSEN bedeutet frei sein für Neues!

Fragen, die ich mir für diesen Blogbeitrag gestellt habe:

  • Was bedeutet Loslassen wirklich?
  • Wie treffe ich gute Entscheidungen in einer beruflichen Krise?
  • Wie finde ich meine wichtigsten Werte?
  • Wie gestalte ich meinen beruflichen Weg passend zu meiner Lebensphase?

 

 

Loslassen bedeutet, frei sein für Neues – eine Geschichte über Akzeptieren, Entscheiden und Neubeginn.

„Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen!“ (Marcus Tullius Cicero)

Vielleicht bin ich heute ein wenig melancholisch. Auch das darf sein.

Meine Mittagspause verbringe ich oft mit einer Tasse Kaffee auf der Bank in unserem Garten – ein schattiges Plätzchen unter einem buschigen Ahornbaum, mit Blick auf den ganzen Garten. An diesem Tag blieb mein Blick besonders lange in seiner Krone hängen.

Was ein Baum mir über Lebensphasen lehren kann.

Zweimal musste dieser Baum einen kräftigen Rückschnitt über sich ergehen lassen. Dadurch ist er nicht besonders hochgewachsen, dafür aber breit, dicht und gesund. Sein Stamm ist glatt, gerade, mitteldick – bis auf eine frühe Narbe, die zwar verheilt, aber noch sichtbar ist.

Und während ich ihn so betrachtete, kam mir ein Gedanke: wie sehr dieser Baum in seiner Form meinem eigenen Leben gleicht.

 

Diese Ähnlichkeit möchte ich mit dir teilen – nicht, weil mein Weg ein Vorbild sein soll, sondern weil ich dir Mut machen möchte, deinen eigenen Lebensbaum bewusst zu gestalten.

Der Stamm: meine Kindheit

Der kurze, gerade Stamm steht für meine Kindheit – kurz, unbefangen, verspielt, aber auch geprägt von einem frühen Einschnitt: Mein Vater starb sehr früh. Das ist die Narbe, die zwar verheilt, aber nie ganz verschwunden ist. Für mich fühlte sich meine Familie danach nie ganz vollständig an. Daher das Bild vom mitteldicken Stamm.

Und doch: Meine Familie gab mir ein starkes Wir-Gefühl und feste Grundwerte – die gesunde, dichte Rinde, die mir Sicherheit und Zuversicht mitgab. Aus diesem stabilen Stamm entwickelten sich mit den Jahren fünf Hauptäste.

 

Die ersten Hauptäste: mein Aufbruch als junge Frau

Diese ersten Äste waren die Lebensbereiche, mit denen ich mir als junge Frau meine eigene Welt aufbaute:

  • meine Ausbildung und Berufung als Erzieherin
  • der Auszug von zu Hause und meine ersten eigenen Wohnungen
  • meine ersten wichtigen Partnerschaften
  • die Entwicklung eigener Werte
  • Freundschaften, die zu diesem jungen Lebensentwurf passten

Über viele Jahre wurden diese Äste gut genährt. Sie wuchsen in die Höhe und trugen mein Leben.

Neue Triebe: eine bunte, prägende Zeit

Mein Lebenshunger trieb neue Zweige aus: berufliche Weiterentwicklung, eine neue Partnerschaft, ein selbstgebautes Zuhause, Freunde, die blieben, und andere, die gingen – und neue, die hinzukamen. Eine prägende, bunte Zeit voller Abenteuer.

 

Doch nicht alle Verzweigungen ließen sich auf Dauer gleich gut versorgen. Einige Zweige verkümmerten, Lebensstürme und Krisen setzten meiner Krone zu. 

Eine einschneidende, tief emotionale Zeit – eine echte Lebenskrise.


3 Schritte aus der Krise: Akzeptieren, Loslassen, Entscheiden

Was Akzeptieren wirklich bedeutet – und was nicht.

Der erste große Rückschnitt: eine Lebenskrise

Um diesen verkümmerten Zustand zu verändern, traf ich eine mutige Entscheidung: den ersten weitreichenden Rückschnitt. Er hat meinem Leben zunächst stark zugesetzt – aber ich wollte nicht länger in der Opferrolle bleiben.

Ich musste Entscheidungen treffen, die mir nicht leichtfielen. Doch ich spürte: Ohne Entscheidungen sind keine Veränderungen möglich.

Auf mein Leben bezogen, steht dieser Rückschnitt für drei Schritte:

  1. Akzeptieren
  2. Loslassen
  3. Entscheidungen treffen

Diese drei Schritte, in genau dieser Reihenfolge, sind bis heute für mich der Schlüssel. Sie verkürzen den Weg des Leidens, des Zweifels und der Hilflosigkeit hin zu einem Lehrpfad – gefüllt mit kleinen und großen Erkenntnissen.

Was Akzeptieren wirklich bedeutet

Damals dachte ich noch nicht so strukturiert. Meine Gedanken drehten sich im Kreis, begleitet von Traurigkeit, Selbstvorwürfen, Groll und Hilflosigkeit – je nach Tagesform auch von Zuversicht. In diesem Gefühls-Gedankenwirrwarr war keine gute Entscheidung möglich. Erst die Zeit heilte meine Wunden und machte das Loslassen möglich.

Heute weiß ich, was Akzeptieren bedeutet – und was nicht:

  • Akzeptieren heißt nicht, dass du die Situation gut findest oder sie dir gewünscht hast. Niemand leidet gerne, niemand hat Leid verdient.
  • Akzeptieren heißt nicht, dass alles so bleiben muss, wie es ist.
  • Akzeptieren heißt zuerst: annehmen, was ist. Gefühlen Raum geben – dem Schmerz, der Wut, der Enttäuschung.
  • Akzeptieren ist keine Gefühlsduselei, sondern aktives Tun – seelische „Gartenarbeit", die du selbst leisten musst. Das schließt nicht aus, dir dabei erfahrene Hilfe zu holen; auch das ist ein aktives Tun, das dir Sicherheit gibt.
  • Akzeptieren bedeutet nicht, dass du schwach bist. Im Gegenteil: Du gibst den sinnlosen Widerstand auf, wegzuschauen oder zu verdrängen. Du schaust hin, ohne zu bewerten.

Denn erst wenn du aufhörst zu urteilen, wirst du weich und beweglich genug, um loszulassen, was nicht mehr zu dir gehört, was dich unglücklich macht oder deinen Werten nicht mehr dient. Genau hier, im übertragenen Sinne, setzt du die Schere an. Und gute Entscheidungen fallen dir leichter, wenn du diesen Prozess durchlaufen hast.

Wie treffe ich gute Entscheidungen in einer beruflichen Krise?

Dazu habe ich einen eigenen Artikel geschrieben. 

Was von dieser Zeit blieb

Diese erste einschneidende Lebensphase war eine meiner schwierigsten. Ich stieß an meine körperlichen und seelischen Grenzen. Das Haus, die Partnerschaft und einige Freunde, die meinem Elend nicht gewachsen waren, waren futsch.

Geblieben sind meine Familie, zwei wirkliche Freunde – und mein Job. Familie und Freunde gaben mir seelischen Halt, mein Job gab mir die finanzielle Möglichkeit, mich selbst aus dieser Lage zu befreien.

Aus dieser Erfahrung heraus möchte ich jeder Frau ans Herz legen: Sorge für deine finanzielle Unabhängigkeit.

 

Reduziert auf das Wesentliche, nahm ich all meinen Mut, Willen und meine Zuversicht in die Hand und baute mein Leben neu auf.


Wie gestalte ich meinen beruflichen Weg passend zu meiner Lebensphase?

Eine neue berufliche Perspektive – mein eigenes Geschäft.

Neuaufbau: eine neue berufliche Perspektive

Nach dieser Krise wurde mir klar: Mein Leben brauchte eine neue berufliche Perspektive – mit Zielen, die mich wieder begeisterten. Mein bisheriger Beruf hielt mich zwar finanziell über Wasser, bot mir aber keine Entwicklung mehr. Und ich wusste: Neue starke Triebe konnten zunächst nur aus einer neuen beruflichen Hingabe entstehen.

Eine Geschäftsidee, die schon lange in mir schlummerte, konnte ich nun – mit finanzieller und familiärer Unterstützung – verwirklichen. Aber auch ohne diese Unterstützung hätte ich einen anderen Weg gesucht. Ich glaube fest daran: Es gibt immer mehr als nur eine Möglichkeit.

Für diese Geschäftsidee eignete ich mir völlig neue Kompetenzen an und entdeckte Ressourcen in mir, die bis dahin verborgen waren. Ein motivierendes, inspirierendes Gefühl – es entsteht immer dann, wenn du aus Gewohntem aussteigst, weil du für etwas brennst.

Wenn du über deinen Schatten springen willst: Suche nach dem, wofür du brennst und wohin dich dein Herz führt.

Fast zeitgleich entwickelte sich auch mein privates Leben weiter – mit einer neuen Liebe und neuen Menschen an meiner Seite. Aus dieser Zeit entwickelten sich starke neue Äste, und daraus wuchs eine neue, breite, gesunde Krone.

Aus dieser Lebensreise kristallisierten sich, zunächst unbewusst, drei Werte heraus, die sich tief in meinen Wurzeln verankert haben. Sie lassen mich spüren, wann ich wirklich ich bin.

 

Werte sollten immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden – denn es gibt nicht nur Werte, die dich beflügeln, sondern auch solche, die dich einschränken. 

Aufbruch in eine neue Lebensphase mit 50+ Eine neue Sehnsucht macht sich breit.

Der zweite Rückschnitt: Aufbruch mit 50+

Mit fünfzig wuchs in mir eine neue Sehnsucht: mehr freie Zeit – Zeit für mich, für das, was während meiner Selbstständigkeit zu kurz kam. Ich stellte mich diesem Neuanfang mit großer Zuversicht.

Zeitgleich musste sich auch mein Mann beruflich verändern, verbunden mit einem Ortswechsel. Auch wenn ich aus Erfahrung wusste, dass Loslassen nicht das Ende, sondern der Anfang von etwas Neuem ist – symbolisch die zweite Verjüngungskur meines Ahornbaums – stellte mich dieser selbstbestimmte Umzug vor neue Herausforderungen. Ich musste mir ein komplett neues soziales Netzwerk und eine neue berufliche Perspektive aufbauen. Ein Leben ohne sinnstiftende Aufgabe war für mich keine Option.

Doch das berufliche Angebot, das ich noch vor dem Umzug angenommen hatte, entpuppte sich als problematisch. Es kam alles anders als erwartet: eine Zeit der Ratlosigkeit, gepaart mit Ungeduld, die mich seelisch in ein tiefes Loch fallen ließ. Eine gefühlte Ewigkeit verharrte ich im Gedankenchaos – ohne Antworten, ohne Lösung.

 

Genau in diesem Gefühl der Ohnmacht sagte ich mir damals: „Ich glaube, ich muss mich ganz neu erfinden.“

Der Wendepunkt

Doch das musste ich nicht. Im Kern wusste ich genau, was ich wollte – und was nicht. Manchmal braucht es nur ein bisschen Glück, den richtigen Moment oder Blickwinkel, um zu sehen, was schon lange da ist.

Einige Zeit später nahm ich ein kleines Buch aus dem Regal, das schon Jahre darauf gewartet hatte, gelesen zu werden: „Der Frosch auf der Butter“ über NLP-Grundlagen. Dieses Buch begeisterte und motivierte mich, eine NLP-Ausbildung zu beginnen – eine mehrjährige Ausbildung, aus der sich der Grundstock meiner heutigen Arbeit entwickelte.

 

Ein neuer Beruf, in dem ich meine Werte ausleben kann.

Freiheit, Nachhaltigkeit und Eigenverantwortung.

Endlich konnte ich wieder kreativ werden und das tun, was meinem Warum, meiner Begeisterung und Hingabe entspricht. Denn nur wenn es sich richtig anfühlt und Herz und Kopf Ja sagen, ist es eine gute Entscheidung.


Warum ich dir diese Geschichte erzähle

  • Weil ich dir Mut machen möchte, dein Leben selbst und bewusst zu gestalten – ohne Übermut.
  • Weil jede Lebensphase dich glücklich machen kann, wenn du sie in deinem Sinne gestaltest.
  • Weil Loslassen zuerst Akzeptieren bedeutet.
  • Weil du aus deinen wichtigsten Werten heraus gute Entscheidungen treffen kannst.
  • Weil du immer mehr Ressourcen in dir trägst, als du glaubst.

Was ich mir dabei wünsche: dass kein Lebensbaum dem anderen gleicht. Jeder Lebensbaum hat seine eigene Berechtigung und seine eigene Bestimmung.

 

 

Helga Schauff

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